Ohne großen Aufruhr: LinkedIn ändert Datenschutzbedingungen

Ist da etwas an mir vorbei gegangen? Offenbar hat LinkedIn schon vor einiger Zeit klammheimlich seine Datenschutzbestimmungen "angepasst":

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Informiert hat mich LinkedIn hierüber soweit ich es mitbekommen habe nicht und darum:

Sorry, LinkedIn. Aber das geht ja mal gar nicht. Einfach die Privatsphäreeinstellungen ändern und ohne transparent zu informieren, Nutzerprofile für "Social Advertising" nutzen? Ich empfehle Folgendes, um das zu verhindern (Dank an Ossi Urchs!):

1. Oben rechts auf das eigene Profil und dann Einstellungen wählen.
2. Dann links Konto klicken
3. In der Spalte daneben auf "Manage Soziale Werbung"
4. Deaktivieren
5. Speichern

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Wer will kann diese Info auch per LinkedIn Message an 50 Kontakte schicken, die ebenfalls keine Lust darauf haben.

Wer Kollaboration will, muss auch Banales in Kauf nehmen

"Here comes everybody" - so lautete der Titel eines Bestellers von Clay Shirky, den ich anlässlich des DMMK 2009 persönlich kennengelernt habe. Was damit auch gemeint ist, verdeutlicht Shirky, der auch Neue Medien als Assistenzprofessor an der New York University unterrichtet, in einem Vortrag beim TEDx Cannes. Er beschreibt, wie wichtig es ist, auch Banales in Kauf zu nehmen (throwaway stuff), um am Ende echte Kollaboration zu ernten (serious stuff). Letztlich umschreibt er damit das Phänomen, nicht nur moderne Tools zur Kollaboration zur Verfügung zu haben, sondern Menschen auch zu motivieren, diese zu nutzen - und was genau dafür eigentlich notwendig ist (detailliert geht er in seinem neuen Buch "The Cognitiv Surplus" darauf ein).

Steve Radick greift diesen Punkt in seinem Blog auf und skizziert die verschiedenen Stufen, die am Ende dazu führen, dass Menschen sich innerhalb einer Community kollaborativ an Projekten beteiligen, also selbst ihren Input liefern und einen Beitrag zu gemeinschaftlich erarbeiteten Produkten ("crowdsourced products") beisteuern. Ein Aspekt, der hierbei eine ganz wesentliche Rolle spielt und letztlich zum Erfolg solcher Unterfangen beiträgt, wird dabei ganz gern mal unterschlagen: Es sind vor allem scheinbar banale Inhalte, die die Hemmschwelle der Beteiligten herabsenken. Wer wissen möchte, wie kalt das Wasser ist, in das er springen soll, wird zunächst den Zeh hinein halten, um die Temperatur zu prüfen. Erst wenn ihm andere, die bereits im Wasser sind, ermuntern, wird er den Sprung wagen. Will sagen: Wer erste Resonanz auf seine Beiträge erhält, unabhängig wie "dumm" oder trivial diese sind, wird Beziehungen in den Netzwerken aufbauen und sich trauen, auch substanzielle, Ernst gemeinte Beiträge zu liefern. Diese Stufen, die Radick als "State Of Play" und "Above The Flow" nennt, sind ganz entscheidend für das dauerhafte Engagement von einzelnen Mitgliedern einer Community.

Wer glaubt, es reiche Kollaborationsplattformen oder -dienste bereitzustellen und eine entsprechende Anleitung - versehen mit der Anweiseung, die neuen Möglichkeiten, doch bitte gefälligst zu nutzen, befndet sich auf dem Holzweg. Der Weg zum kollaborativen Erfolg führt über das Banale oder um es mit den Worten Clay Shirkys zu sagen: "Even with the sacred printing press, we got erotic novels 150 years before we got scientific journals."

Die Hälfte aller Unternehmen macht Social Media Urlaub

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Ok, die Zahlen stammen nicht aus Deutschland und sind ganz sicher auch alles andere als repräsentativ. Andererseits zeigt meine praktische Erfahrung aus der Beratung, Betreuung und Seminaren nicht zwingend ein anderes Bild. Im Gegenteil: Ich fürchte, bei den meisten würde tatsächlich alles brachliegen, wenn der Ansprechpartner verreist ist. Kein Urlaub ist schließlich auch keine Lösung.

Aber in der Tat würde mich interessieren, wie das Problem gelöst wird. Daher habe ich hier mal selbst eine klitzekleine Umfrage gestartet und warte gespannt auf die Antworten.

 

Facebook: Vom Empfehlungs- zum Beliebigkeitsnetzwerk? | primus inter pares

Bei pr://ip äußere ich mich zum neuen Feature "Frictionless Sharing" (reibungsloses Teilen), mit dem Facebook offenbar die klassische Medienwelt erobern möchte und dabei ganz nebenbei alte Mediennutzungsmuster in die Plattform hineinzieht. Facebook gilt mehr oder weniger als Synonym für Social Media – das Teilen unterschiedlichster Inhalte in Netzwerken, die mal aus gemeinsamen privaten, mal aus mehr beruflichen Interessen oder Verbindungen bestehen. Mit der Einführung des sogenannten Frictionless Sharing, mit dem in Echtzeit automatisiert bestimmte Aktivitäten innerhalb von Facebook Apps aus dem eigenen Netzwerk in die jeweilige Timeline gepumpt werden, wird dieser Grundgedanke zu einem nicht unwesentlichen Teil konterkariert. Es regt sich berechtigter Widerstand!

Den ganzen Beitrag gibt es hier:

Facebook Frictionless Sharing

Unübersichtlich? Facebook Frictionless Sharing (Grafik: pr://ip)

Online-Werbung: Yahoo, Microsoft und AOL greifen an - mit Wattebäuschchen

Microsoft, Yahoo und AOL verbünden sich. Eigentlich findet sich schon im ersten Absatz des Handelsblatt-Artikels der Hinweis, warum dieser Angriff nicht mehr als ein Scheingefecht ist, das von vornherein zum Scheitern verurteilt ist: "Das am Dienstag angekündigte Bündnis will weniger begehrte Werbeflächen anbieten, die die einzelnen Unternehmen bislang kaum vermarkten konnten." Aha, und damit also möchte man Facebook und Google angreifen.

 

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Es gab Zeiten, da konnte man mit AOL noch etwas Sinnstiftendes machen (Foto: Jonathan Baker-Bates)

Muss man das eigentlich noch weiter kommentieren? Hier greifen drei Partner, die sich wie AOL oder Yahoo seit geraumer Zeit im Sinkflug befinden nach abgeknickten Ästen. Werden die Werbeplätze nun dadurch attraktiver, dass sie im Verbund einfach noch mehr werden? Warum bitte wird das eigentlich so offen angesprochen in der Verlautbarung? Dummheit? Oder einfach nur Offenheit, weil eh jeder weiß, dass die Werbeplätze nicht begehrt sind - mit anderen Worten von den werbenden Unternehmen schlicht nicht gebraucht werden. Und ausgerechnet damit möchte man zwei Giganten Paroli bieten, die bei ihrer Vermarktung vor allem durch Relevanz punkten wollen - und zufällig auch noch eine enorme Gesamtreichweite mitbringen?

Je mehr ich darüber nachdenke, desto ungläubiger nehme ich eine solche Meldung zur Kenntnis. Zum Einen weil ich aus eigener Erfahrung nur zu gut weiß, wie aufwändig Abstimmungsszenarien bei solchen Kooperationsmeldungen sind und mir einfach nicht vorstellen möchte, wie viele Leute diese Botschaft bzw. dieses Eingeständnis abgenickt haben. War man dabei vielleicht der Meinung, dass die weniger begehrten Plätze vor allem bei den jeweils beiden anderen Partnern zu suchen sind? Vielleicht. Was mich aber im Mindesten genauso fassungslos macht ist die Tatsache, dass eine solche Nachricht beim Handelsblatt eine derartige Überschrift verpasst bekommt. Waren die Beteiligten im Newsroom bereits im Dämmerschlaf (Stichwort Zeitverschiebung Ostküste USA) und haben der Einfachheit halber die gelieferte Headline übernommen oder waren hier einfach mal wieder die Blinden am Werk, die auch mal über die Farbe schreiben wollten. Es bleibt ein einziges Kopfschütteln.

Eigentor oder Kompetenznachweis? Kolle Rebbe und der Socialsitter

Es gibt Dinge, die braucht die Welt einfach nicht. Und doch gibt es sie. Jüngstes Beispiel: der Socialsitter, eine App, mit der man eine Vertretung für das eigene Facebookprofil engagiert. Wer hat's erfunden? Kolle Rebbe, Kreativagentur aus Hamburg, die laut Selbstbeschreibung an den gesunden Menschenverstand glaubt. Nur: Warum haben Sie dann diese App entwickelt?

In der W&V ist zu lesen, dass sie hiermit ihre Kompetenz im Bereich Social Media (und wahrscheinlich App Entwicklung, für die sie mit Powerflasher zusammengearbeitet haben) nachweisen wollen. Sechs, setzen! Hier geht es einzig und allein, Nachrichten zu kreieren, um sich ins Gespräch zu bringen. Und bei der Gelegenheit lässt man so ganz nebenbei durchblicken, wie Ernst man in Hamburg Social Media (in diesem Fall Facebook) wirklich nimmt. Profile sind austauschbar, Inhalte beliebig und im Zweifel nicht so wichtig.

Ich verüble es Werbeagenturen ja gar nicht, dass sie mit kreativen Geschichten die Aufmerksamkeit - wenn auch nur für einen Moment - auf sich ziehen wollen. Aber meiner Meinung nach schimmert hier die alte Werberdenke durch: Mit lustigen Filmchen schnell viel Aufmerksamkeit generieren. Nur: Was bleibt denn bitte? War das Ganze tatsächlich so gemeint, dass wir uns nun den Socialsitter installieren sollen? Und dann: Wir geben fremden Leuten für zwei Wochen Zugriff auf unsere Profilseite? Wer soll das lustig finden, außer Menschen, die nicht wissen, was Facebook ist und von Social Media (also ernsthaftem Dialog zwischen Gleichgesinnten) nichts halten - außer Abstand?

Ok, ok, ich verstehe. Es war nur einfach Zeit da, mal etwas auszuprobieren (komisch nur, dass bei den Agenturen, mit denen ich zusammenarbeite im laufenden Betrieb keine Zeit ist für solche Späße). Die App ist also nicht Ernst gemeint, sondern nur eine nette Inszenierung. Sie war nur Mittel zum Zweck. Na dann. Ich sagte ja bereits: Da schimmert eine gehörige Portion alter Werberdenke durch. Für mich ist das ein echtes Eigentor!

Wer vorgibt Social Media wirklich verstanden zu haben, der sollte sich zum Ziel setzen, auch Selbstpromotion im Web so ernsthaft zu betreiben, dass da am Ende was Sinnvolles herauskommt. Ich wiederhole gerne das Contagious-Mantra: Be useful, relevant or at least entertaining. Best: All 3! Da das mit dem Humor nun mal so eine Sache ist, sollte man für Spaßbremsen wie mich wenigstens einen der beiden anderen Aspekte (zur Sicherheit noch mal: Relevanz oder Nützlichkeit) berücksichtigen.

 

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via wuv.de

Targeting, AdSense, Facebook: Kein Ende der Werbeirrelevanz in Sicht

Seit ich mich mit Online-Werbung befasse (und das sind inzwischen mehr als zehn Jahre) geistert ein sogenanntes Ursprungsversprechen herum: Online-Werbung wird irgendwann so gezielt ausgeliefert, dass sie sich ausschließlich an den Interessen des Adressaten orientiert. Mit den Problemen, die rund um das "Hype"-Thema Targeting aufgetaucht sind, hat sich die Online-Werbebranche nach meinem Empfinden schon wieder ein gutes Stück von diesem Wunschziel entfernt.

Damit meine ich gar nicht mal, die datenschutzrechtlichen Bedenken, die ich weit weniger dramatisch sehe als in der oft von Unwissenheit geprägten öffentlich-politischen Debatte. Vielmehr stößt das Targeting (und ist es noch so gut gemacht, wie etwa das Predictive Behaviorial Targeting) an ganz natürlich Grenzen. So führt die Mehrfachnutzung von PCs etwa dazu, dass Männer doch Bindenwerbung eingeblendet bekommen, nur weil ihre Frauen oder Töchter kurz vorher noch auf klassischen Frauenportalen gestöbert haben.

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Neue Hoffnung (und Konkurrenz) haben die klassischen Portalvermarkter durch Facebook Ads und schon vorher durch die kontextbasierten Google AdSense erhalten. Ein Riesengeschäft, wie man unschwer an den Einnahmen der beiden Internetriesen ablesen kann. Und doch stellen wir alle verstärkt fest, dass auch hier das gezielte Aussteuern von Werbung einfach nicht rund läuft, wie Torsten Kleinz in seinem Beitrag für Hyperland feststellt.

Doch was ist die Konsequenz? Es bleibt die Wahl zwischen kostenpflichtigen Angeboten (auch Social Networks) und werbefinanzierten Plattformen, bei denen quasi mit den eigenen Daten bezahlt wird. Es bleibt die Hoffnung, dass die Bereitschaft persönliche Daten und Vorlieben Preis zu geben zu mehr Relevanz auf den Werbeflächen führt. Aber vor allem: Es bleibt - zumindest bei mir - die berechtigte Sorge, dass eine intelligente, funktionierende, kontextsensitive und an welchen Profildaten auch immer ausgerichtete Aussteuerung von Werbemitteln am Ende doch scheitert. Und zwar schlicht und ergreifend daran, dass am Ende nicht mehr das notwendige Geld für eine Ansprache verwendet wird, die den Kunden nicht für dumm verkauft oder wahlweise sterbenslangweilig ist.

Was bleibt also wirklich?

Liebe Unternehmen, steckt doch Eure Werbegelder lieber in die Entwicklung guter Produkte und Dienstleistungen sowie eine intakte Unternehmenskultur, die von Verantwortung geprägt ist. Dann braucht ihr keine Werbung, erst recht nicht auf Facebook.

P.S.: Wenn Ihr das erkannt habt, liebe Unternehmen, dann helfe ich Euch auch gerne dabei, das Ganze umzusetzen und anschließend bekannt zu machen.

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So einfach ist das: Soziale Medien sind unignorierbar!

Sascha Lobo hat mal wieder ganze Arbeit geleistet. Eine simple Gegenüberstellung von Facebook mit den laut Google AdPlanner Reichweite nachfolgenden 99 Seiten zeigt, wie sehr Facebook (und auch die anderen sozialen Plattformen) inzwischen die Webnutzung dominieren. Und er hat völlig Recht, wenn er sagt, dass man schon gute Gründe braucht, um sich hier als Unternehmen, Organisation oder politische Gruppierung nicht einzuklinken. Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass es diese Gründe in berechtigten Ausnahmen durchaus gibt. Dass es sich um Ausnahmen handelt, ändert jedoch nichts an der Regel (nur um etwaigen Ausflüchten gleich wieder vorzubeugen;-).

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